Viel zu tun beim Linzer Friedhof

1816 wurde das überwiegend katholische Rheinland im Rahmen der europäischen Neuordnung preußische Provinz. Zunehmend suchten Bürger protestantischen Glaubens in Linz und Umgebung ihre Heimat. Schon bald entstand eine eigene Gemeinde. Der Katharinenhof neben dem damals noch bestehenden Grabentor wurde im Jahr 1845 durch den „Verein zur Gründung einer  eigenen Kirchengemeinde“  erworben.

Bereits im Jahre 1852 entschied sich die Gemeinde für den Erwerb eines  Friedhofgeländes außerhalb der Stadtmauer. Die letzte Ruhestätte für ihre Gläubigen entstand vor der Erbauung des neuen Gotteshauses1865. Sie stellt eine regelrechte historische Erinnerungsstätte für das Gemeindeleben dar.

Die erste Beisetzung auf dem neuen Friedhof durch den damaligen Pfarrer  Jungck erfolgte im selben Jahr am 8. Juni 1852. Diese Grabstelle für die Schifferfrau Christine Hulda Koks aus Erpel, sowie die Gräber der Gemeindegründer und  der damaligen Pfarrer sind heute noch erhalten.    

Ein gut erhaltenes Grabfeld ist das der im 19. Jahrhundert in Linz beheimateten Unternehmerfamilien Rhodius und Susewind, die ab 1865 im zentralen Grabfeld Rhodius beigesetzt wurden. Hierzu gehören auch die historischen Gedenksteine und Grabkreuze.p

Ein weiteres Grabfeld ist das der Familie Feld. Walther Feld war der Gründer einer chemischen Fabrik in Bad Hönningen, die später von den Solvay-Werken übernommen wurde. Er wurde dort, gemeinsam mit weiteren Angehörigen seiner Familie,  im Jahr 1914 beigesetzt.  

Zwischen den beiden genannten liegt das Grabfeld der „Gichtelianer“. Johann Gichtel hat 1682 den aus Görlitz stammenden Anhängern  des Theosophen und Mystikers Jacob Böhme (1575 – 1625) in Amsterdam eine neue Heimat gegeben. Deren Nachkommen lebten von 1899 – 1990 in Linz und schlossen sich 1930 unter Pfarrer Brandt (1909-1941) der Evangelischen Kirchengemeinde an. Die Original-Handschriften und  Bücher Jacob Böhmes  befanden sich während dieser Zeit in Linz und wurden 1943 durch die Gestapo beschlagnahmt. Heute werden sie u.a. in der Herzog- August-Bibliothek in Wolfenbüttel aufbewahrt.

Weitere, nicht namentlich aufgeführte  Grabstellen werden von den  Hinterbliebenen teilweise schon über mehrere Generationen liebevoll gepflegt, in dankbarer Erinnerung an ihre Verstorbenen!

Um den Charakter des Friedhofs als Ort der Erinnerung und der Ruhe  zu erhalten und den aktuellen Zustand weiter zu verbessern, sind die Trinitatis-Kirchengemeinde und die Stadt Linz  übereingekommen, den bestehenden Vertrag zu überarbeiten und die Pflege des Friedhofsgeländes in die Verantwortung der Kirchengemeinde zu übertragen. Damit verbunden ist die Neu-Vergabe von Wahl- und Urnengräbern an Mitglieder unserer Gemeinde!

Der Zugang von der Asbacher Straße muss derzeit wegen erforderlicher  Renovierungsarbeiten durch die Stadt Linz bis zur Umsetzung der Maßnahmen geschlossen bleiben.  Besucher werden darum gebeten, während dieser Zeit den oberen  Zugang zu benutzen. Dieser ist auch mit dem Auto zu erreichen, Parkplätze sind vorhanden.

Die Gemeinde bemüht sich, die erforderliche Pflege des Friedhofsgeländes durch Ehrenamtliche zu unterstützen. Daher ist uns jede Art von Unterstützung, die zur Erhaltung und Gestaltung des Evangelischen Friedhofes beiträgt, herzlich willkommen!  

Im Namen der Trinitatis-Kirchengemeinde

Wolfgang Winnekes

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